Kerstian Goes UK


Life is a journey


Das hat man öfter schon gehört.

Ich mag die Vorstellung eines Weges, sein ganz individueller Weg, den man einfach geht- Startpunkt Geburt und Endpunkt Tod. Dieser Weg ist ganz sicherlich keine asphaltierte, schnurgerade Straße ohne Schlaglöcher, Berge, Huckel und Steine- ich denke fast eher an einen Wanderweg oder noch eher einen Trampelpfad, denn alles andere klingt zu einfach und zu vorgeschrieben für einen individuellen Lebensverlauf. Prinzipiell habe ich also das Bild von durchs-Gestrüpp-wandern im Kopf.

Nun gibt es verschiedene Ansichten drüber was die Mitreisenden dieses Weges betrifft. Mein Wanderweg ist wahrscheinlich in einem dichten Wald. Mal ist es dunkel, mal scheint die Sonne durchs Blattwerk. Mal sieht man Menschen die auch diesen Wald durchwandern und manchmal sind sie durch Bäume, die das Leben pflanzte, verdeckt. Doch es gibt eben auch die Menschen die in die gleiche Richtung wandern wie man selbst und dann bietet es sich an ein Stück des Weges gemeinsam zu bestreiten, wenn einem danach ist. Man lernt seine Weggefährten kennen und sammelt sie sogar um sich und geht gemeinsam. Das ist meine Vorstellung von Familie, Freundschaft und Liebe.

Allerdings ist und bleibt das Leben keine Reise zum Gruppentarif, also ist die Konstellation von Mitreisenden alles andere als fest. Es wird Gablungen im Weg geben, und einige werden sich entschließen eine andere Richtung einzuschlagen. Manche brauchen keine Gablung und suchen sich einfach eine andere Richtung. Manche kommen vom Weg ab. Und manche können einfach nicht mehr laufen, weil sie schon zu lange gelaufen sind oder sich die Wanderung als zu anstrengend für sie erweist und sie werden einfach an den Punkt geraten an dem ihre Wanderung zu Ende ist. Sie setzen sich an den Wegesrand, an dem eine kleine Endmarkierung zu stehen scheint, und man sieht sich gezwungen Abschied zu nehmen um seinen eigenen Weg weiter beschreiten zu können, ihnen noch einmal aufmunternd zuzulächeln, vielleicht noch einen Blick über die Schulter zu wagen um sicherzugehen, dass sie wirklich nicht mehr laufen wollen, und je weiter der Weg voran schreitet, desto kleiner werden die sitzenden Reisenden am Wegesrand, bis sie nur noch ein kaum auszumachender Punkt am Horizont sind- bis sie letztendlich ganz verschwinden.

Wie lange man sich seinen Weg mit einem Mitreisenden teilt ist ungewiss. Es gibt Menschen die sehr lange den gleichen Weg gehen, andere haben nur einen kurzen Gastauftritt, andere wiederum trifft man vielleicht ein paar Jahre weiter wieder und begleitet sich wieder ein Stück.

Auf dieses gemeinsamen Abschnitte kommt es mir an. Und auf die kleinen Momente während der Wanderung, die sich in die Seele einbrennen. Die Momente in denen sich Menschen berühren, in denen sich Leben berührt. Die Momente, in denen die Hügel niemals so steil sein können als das man sie nicht bezwingen könnte.

Meine Mitreisenden sind mir unendlich wichtig. Von „Tag 1: Kerstian“ vor mehr als 23 Jahren bis heute hat sich die Besetzung meiner Mitreisenden geändert. Es kamen viele neue dazu, manche sind von Anfang an dabei und begleiten mich immer noch, manche gingen in eine andere Richtung und von manchen erreichten wir die persönliche Endmarkierung und sie mussten am Wegesrand bleiben. Und so traurig es auch sein kann Mitreisende in eine andere Richtung gehen zu sehen oder sie am Wegesrand zurücklassen zu müssen bin ich dankbar dafür, dass sie mich an die Hand nahmen, jede Gerade mit mir entlang spazierten, mir helfende Hände an Hügel reichten und mich meinen eigenen Weg gehen lassen. Auch wenn ich sie nicht mehr sehen kann, weil sie nur noch ein verschwommener Punkt am Horizont sind, werde ich das niemals vergessen.

Bald mache ich nun einen Schlenker in meinem Trampelpfad, einen kleinen Abstecher in unbemanntes Gestrüpp, und verlasse meine Reisegruppe für ein paar Kilometer. Somit bin ich diejenige die die Richtung für eine kurze Weile ändern wird.

Die Wanderschuhe sind im Gepäck (erschreckenderweise ganz ohne Witz).

Off I go.

 

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31.8.10 10:46

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mina (9.9.10 19:18)
boa kerstian bin fast am weinen ^^ ( auch erschreckender weise kein witz)...sowas kannst du doch nicht einfach ohne vorwarnung machen, sowas on setzen....^^
hauptsache du findest den hauptweg wieder....nicht das es im februar heißt, bye bye good old germany, forever ^^...
bin gern einer deiner "weggefährten"...
gaaaaaanz liebe grüße und gaaaaaaaaaaaanz viel spaß in the uk ^^
aber wir sehen uns ja morgen nochmal, ein letztes mal schimmeln ^^ *wink*
das minalein

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